Ironman Canada 2003 – Der Wettkampf Teil 2

Kaum war ich über die Zeitmessmatte, schon wurde mir von den Helfern meine Brille in die Handgedrückt, bin 3 Schritte gegangen, hab mich auf den Boden gelegt und die Beine hochgestreckt und ca. 4 Sekunden später stand ich dann auch schon wieder und mir wurde mein Neo in die Hand gedrückt.

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Dann bin ich zu meinem Wechselbeutel gerannt, der mir auch sofort von einer Helferin gereicht wurde. Diese hab ich dann auch gleich darum gebeten, dass sie mir doch bitte den Reißverschluss an meinem Rücken öffnen soll, damit ich keine Verrenkungen deswegen machen muss. Danach ging der Sprint zu den Toiletten weiter und ich hätte wohl keine 5 Sekunden länger brauchen dürfen. Von dort ging es dann schön langsam ins Wechselzelt, wo ich als erstes einen Helfer gesucht hab, der mir meinen Reißverschluss wieder hochzieht. Anschließend in Ruhe meine Füße abgetrocknet, zum Einteiler passende schwarze Sportsocken angezogen, dann die Radschuhe an, Helm auf den Kopf, Startnummernband hingeschnallt und zum Abschluss meinen Neo und die Wechseltüte einem Helfer in die Hand gedrückt, damit er es schön einpacken kann. Dan ging esaus dem Zelt raus zu den Helfern, die einen schön mit Sonnencreme einschmieren. Leider war es bei mir ein Mann, aber man kann ja nicht alles haben. Gut eingeschmiert (dachte ich zumindest) ging es dann an einer Getränkestation vorbei (das eiskalte Wasser tat gut) und von dort schön gemächlich zu meinem Rad. Zum Glück waren die Leute, deren Räder neben meinem standen, schon alle weg, so dass ich wenigstens keine großen Verrenkungen machen mußte, um mein Rad aus dem Radständer zu bekommen. Das Rad schiebend ging es dann aus der Wechselzone heraus.

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7:39 – Durchschnittspuls 147

Nun begann also der längste Teil des Ironmans, das Radfahren. Schnell in die Pedale eingeklickt und es hieß hoffen, daß ich schnell treten kann. Nach knapp 50m kam die erste 90 Grad Kurve und ab da ging es dann kilometerlang nur gerade aus und immer minimal aufwärts.

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Ähnlich der Tour de France waren die ganzen Fahrbahnen mit Kreide vollgeschmiert, nur leider hatte sich niemand die Mühe gemacht und meinen Namen auf den weiten Weg gepinselt :(. Die Straße am Anfang war eigentlich ideal für das Fahren in der Aerohaltung und daher ging es auch nach einigen Metern gleich in diese Position, leider haben sich dabei unverzüglich meine beiden Schultern sowie der Rücken verkrampft, so dass es absolut unmöglich für mich war, in dieser Haltung zu fahren. Auch im späteren Verlauf hab ich es noch mehrmals versucht, aber das Ergebnis war jedes Mal dasselbe. So hatte ich dann aber wenigstens einen gut 1kg schweren Getränkehalter auf dem Lenker vorne und den Strohhalm ständig griffbereit.

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Beim Radfahren gab es eigentlich nur wenig zu beachten:

  1. nie rechts überholen
  2. unter keinen Umständen über die Mittellinie fahren (selbst wenn es keine Linie auf der Straße gibt)
  3. und kein Windschatten fahren

Außerdem mußte man auf den Autoverkehr achten, da nur ganz wenige Teile der Radstrecke für den Verkehr gesperrt war. Nicht im Windschatten zu fahren war für mich eigentlich kein Problem (maximal bei irgendwelchen Anstiegen wenn alle am kämpfen war), aber ab und an war es schon sehr schwer, weder rechts zu überholen noch über die Mittellinie zu fahren, aber dazu später mehr.

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Nachdem ich dann damit leben mußte, dass ich wohl sehr lange Zeit heute in ziemlich aufrechter Position fahren muß, ging es auch schon um eine schärfere Kurve, welche extra mit Warnhinweisen versehen war, raus aus Penticton. Dort entstanden auch die ersten beiden Fotos überhaupt (von insgesamt drei), welche mich auf meinem Rad zeigen.

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Kaum aus der Stadt draußen, da gab es schon die erste sehr brenzlige Situation. Kurz vor der ersten Verpflegungsstation, welche bereits bei Meile 5 stand, wurde ich von einem Kampfrichtermotorrad überholt. Als ich dann gerade dabei war, die vor mir fahrende Frau zu überholen, da zieht plötzlich das Motorrad quer über die Straße und bleibt so mitten auf der Fahrbahn am Verpflegungsstand stehen, um so etwas zu trinken zu holen. Die Frau hat zum Ausweichen ihr Rad stark nach links gezogen und ich hatte die Wahl entweder über die Mittellinie zu fahren (damit ich gleich disqualifiziert werde) oder ganz ganz stark zu bremsen, was ich dann auch getan hab. Irgendwie ging es gerade noch gut. Bei dieser Verpflegungsstation hab ich aber nichts angenommen, da ich bis dahin weder was getrunken noch was gegessen hab. Dafür hab ich die 10 folgenden Verpflegungsstationen immer gut genutzt und nur noch die allerletzte ausgelassen.

Ironman Canada 2003 087Nach der Verpflegungsstation ging dann die Straße sehr schön an einem See entlang. Da ich die Strecke ja noch nicht kannte, hab ich auch nicht ständig nur auf die Straße und nach vorne geschaut, sondern auch sehr oft nach links und rechts, damit ich wenigstens irgendwelche Eindrücke mitnehmen konnte (erst beim Laufen konnte ich dann selbst auch Fotos machen). Da an meinem Tacho (mangels Magnet am Vorderrad) nur die Trittfrequenzanzeige funktioniert hat, konnte ich zwar nie meine Momentangeschwindigkeit ablesen und wußte auch nicht immer, wie weit ich noch trampeln muß, aber da alle 5 Meilen ein Schild stand, konnte ich immer grob im Kopf ausrechnen, dass ich, zumindest am Anfang, ganz gut unterwegs war. So in etwa ein Schnitt von 33 km/h kam zu Beginn immer bei den Rechnungen raus, damit konnte ich leben.

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In Fachliteratur liest man ja immer, dass man während dem Radfahren darauf achten muß, dass man kontinuierlich isst und trinkt, auch wenn man weder Hunger noch Durst verspürt. Daran wollte ich mich auch halten und hab dann auch voller Elan meinen ersten von sechs eingepackten Powerbarriegel mit den Zähnen aufgerissen (Geschmacksrichtung: Peanut Butter) und eine Ecke abgebissen. Dann hab ich wie auf einem Stück Leder rumgekaut und mußte mich stark zusammenreißen, damit ich es runterschlucken konnte; der zweite Bissen verlief wie der erste. Nach dem dritten Bissen und dem Versuch zu kauen hat mich die Vernunft gepackt und ich hab das Zeug ausgespuckt und für den Rest des Tages Powerbarriegel Powerbarriegel sein lassen. Der Rest des angebissenen Riegels ist gut 30 Meilen später (vorher hab ich es nicht übers Herz gebracht) in einer Müllabladestation gelandet und die restlichen 5 Riegel kamen mit nach Deutschland. Ich hatte ja zum Glück noch eine Notration Gels sowie meine Salztabletten dabei. Außerdem hab ich bei der zweiten Verpflegungsstation mitbekommen, dass es auch Cookies gibt, aber da war ich dann auch schon vorbeigefahren. So gab es aber einen Grund, wieso ich mich auf die nächste Verpflegungsstation freuen konnte.

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Kurz vor der zweiten Verpflegungsstation hab ich dann noch einen großen Schluck aus meiner Wasserflasche genommen, Wasser in die Lenkerflasche nachgefüllt und dann torpedoartig die Wasserflasche weggeworfen. Ab hier hatte ich immer Wasser in der Lenkerflasche und Gatorade (zum Teil eisgekühlt) im Rahmenhalter. Leider gab es auf der Strecke zwei verschiedene Arten von Gatoradeflaschen; während man die eine Art problemlos öffnen konnte, mußte man bei der anderen Art immer den kompletten Flaschenkopf drehen, damit man was trinken konnte. Dabei bin ich dann immer ein wenig unruhig gefahren, aber passiert ist mir nie was beim Öffnen der Flasche :-).

Irgendwann kam dann auch der erste kleine Anstieg. Der Puls ging da dann gleich raketenartig nach oben und am “Gipfel” war ich mir nicht ganz sicher, ob ich noch im Besitz meiner Lunge bin, aber ich hatte einige Leute am Anstieg überholt :-). Danach kam wohl eines meiner persönlichen Highlights der Radstrecke, nämlich die erste Abfahrt. Während der gesamten Abfahrt war ein Kampfrichtermotorrad neben mir und hat mich beobachtet – wieso hatten die keine Kamera dabei ? Bei der Abfahrt (einfach nur Rollen lassen, bei meiner Masse bin ich auch so schnell genug) war vor allem der zum Teil miserable Asphalt auf den Straßen ein großes Problem – in Deutschland würden sich wohl selbst Bauern beschweren, wenn asphaltierte Feldwege in so einem Zustand wären. Und mit meinen 19mm Reifen und einer Geschwindigkeit von 60 km/h und mehr wurde ich da dann mal ordentlich durchgeschüttelt, meine Brille ist immer weiter nach vorne gerutscht und durch den Fahrtwind liefen mir Tränen aus den Augen. Meine größte Befürchtung war immer: jetzt ein platter Reifen und alles ist vorbei – vor allem da häufig Leute am Streckenrand standen und am Flicken waren. Zum Glück blieb mir wenigstens das erspart.

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Bei der dritten Verpflegungsstation hab ich mir zwei Flaschen reichen lassen und dann auf die Frage, ob ich denn Banane oder einen Powerbarriegel will mit Cookies geantwortet. Dann ist die Helferin gleich losgerannt zu einen Behälter, hat dort einen Beutel mit 3 Cookies drin genommen und hinter mir hergerannt, um mir meine gewünschten Cookies zu geben – wieso kann das nicht jeden Tag so sein ? Das wäre ein Leben :-).

Bis ca. Meile 35 lief auf dem Rad alles ziemlich gut, auch wenn ich weder in die Aerohaltung gehen konnte noch so richtig schnell trampeln konnte, wie ab und an im Training. Ich hatte also immer noch einen Schnitt von ca. 33 km/h, also ein Radsplit von ungefähr 5:30. Nur leider kommt es erstens anders und zweitens als man denkt. Mein doofes blödes Knie, welches mir im letzten Jahr schon mehr als genug Probleme bereitet hat, meldete sich urplötzlich mit einem stechenden Schmerz an der Außenseite. Und der Zeitpunkt konnte kaum besser sein, da nämlich kurz darauf der kilometerlange Anstieg zum Richter’s Pass beginnt. So war ich fast schon froh, als sich kurz vor der vierten Verpflegungsstation mein Magen wieder bemerkbar gemacht hat und ich so einen Toilettenstop einlegen mußte. Mit 3 weiteren Cookies im Gepäck ging es dann nach kurzer Pause weiter, allerdings hab ich von denen nur noch 1,25 gegessen, da sie irgendwie nicht die ideale Ernährung auf dem Rad darstellten.

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Wenigstens hatte ich keine Probleme mit dem Rauch, welcher zum Teil die Sicht ziemlich erschwerte und auch so große Radgruppen, wie auf dem Bild zu sehen sind, waren nie in meiner Nähe – dazu war ich wohl viel zu langsam im Wasser unterwegs. Interessant war auch, daß meine Nase kurz nach dem Radstart begonnen hat zu laufen und auch erst dann wieder aufgehört hat, als ich mit dem Radfahren fertig war – hätte ich nur selbst so beständig laufen können wie meine Nase.

Die Kombination Knieschmerzen und lange Steigung muß man auf jeden Fall in die Kategorie suboptimal einordnen. Jeder Tritt war eine Qual und ich wurde noch öfters mal überholt. Hinzu kam, dass mein Knie aufgrund der Belastung immer dicker und dicker wurde. Falls ich wenigstens genügend Radtraining absolviert hätte, wäre das wohl auch noch irgendwie machbar gewesen, aber ohne so richtige Grundlage war das, was ich da veranstaltet hab, wohl eher ein grober Verstoß gegen irgendwelche Menschenrechte :-). Mein Schnaufen hätte wohl jeder Dampflok Konkurrenz gemacht, aber ich wollte ja auch zum Glück nicht heimlich an jemanden heranschleichen. Während des Anstiegs ging mir allerhand durch den Kopf und falls mich jemand in dieser Phase gefragt hätte, ob ich aufhören und mit einem Auto zurück nach Penticton will, dann hätte ich wohl unverzüglich ja gesagt. Irgendwann war dann der Punkt erreicht, an dem mein Knie (das linke hat sich schön solidarisch gezeigt und wurde auch dicker) so dick war, daß ich es einfach nicht mehr ausgehalten hab. Also mußte ich zu meiner Schande am Berg anhalten, vom Rad absteigen und dann konnte ich mein Knie schön massieren bzw. irgendwie dran rumdrücken. Es tat auf jeden Fall sehr gut, so dass ich kurze Zeit später wieder aufs Rad steigen konnte und dann auch den Gipfel des Richter`s Pass erreicht hab. Hätte ich für diese S/M Nummer Geld zahlen müssen, dann wäre es bestimmt nicht billig gewesen – hmmm, ich hab ja dafür gezahlt und billig war es nun wirklich nicht…………

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Die folgende Abfahrt war dafür dann schön lang und ausnahmsweise war der Straßenbelag gut. So konnte man auch während der Fahrt schön trinken, die Beine lockern und ein wenig die Knie massieren. Interessant war auch, dass mich auf Abfahrten nie jemand überholt hat, obwohl ich ja nicht mal getrampelt habe. Ab und an haben es aber Kamikaze-Japaner versucht :-). Nach der Abfahrt kamen insgesamt noch 6 weitere Steigungen, jeweils inklusive einer Abfahrt und von mal zu mal wurden sie flacher und einfach zu bewältigen. Während dieser Phase entstand dann auch das Foto, welches sich am Ende des Radberichts über der Splitzeit befindet.

Bei der Abfahrt kurz vor der Hälfte der Radstrecke gab es dann wieder einen sehr kritischen Moment, als mich mit sehr hoher Geschwindigkeit ein LKW überholt hat und ich beinahe vom Rad geweht wurde – ich kam auf jeden Fall ordentlich ins Schlingern und hätte mir sehr eine gesperrte Radstrecke gewünscht. So mußte man halt immer am (breiten) Randstreifen fahren und nur bei längeren Steigungen war eine komplette Fahrbahn für die Radfahrer abgesperrt.

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Nach der längeren Auf und Ab Passage kam dann etwas sehr eintöniges, nämlich eine Straße, die absolut eben und ewig gerade aus ging. Aber das Eintönige war mir dennoch irgendwie lieber als die Berge. Von dort ging es dann in die “In & Out Section”, durch welche die erforderliche Streckenlänge von 180km bzw. 112 Meilen erreicht wird. So wußte ich zwar, daß ich bald meine innig herbeigesehnte Dose Coca Cola zu mir nehmen kann, aber ansonsten war es äußerst deprimierend, da einem ständig Leute entgegenkamen, welche diese Section schon hinter sich hatten. Es gab auch viele 90° und 180° Kurven, welche auf sehr schmalen Seitenstraßen zu meistern waren. Bei der letzten 180° Kurve, gut 50m bevor ich meine Cola genießen konnte, hab ich dann natürlich die Kurve zu eng genommen und bin von der Straße abgekommen. Aber ich hab es geschafft auf dem Rad zu bleiben und auch weiterzufahren. Die wenigen Leute, die sich an diesen abgelegenen Ort verirrt haben, haben mir Beifall geklatscht und mich mit “Nice Recovery” Rufen angefeuert. Aber vom Rad absteigen mußte ich dennoch, da die Asphaltdecke ziemlich hoch war und ich von der steinigen Unterfläche nicht testen wollte, ob ich da echt hoch komm und auch noch alles am Rad heil bleibt. Voller Genugtuung hab ich dann mein Special Needs Bag in die Arme geschlossen und in aller Ruhe (wozu denn noch beeilen ?) das Koffein genossen, welches sich durch meine Blutbahn im ganzen Körper ausgebreitet hat. Dazu gab es noch 2 der 3 Reese Buttercups und ich hab mich auf die letzten knapp 35 Meilen gemacht.

Wenig später wäre ich am liebsten vom Rad abgestiegen, das Rad im großen Bogen wegwerfen und mich heulend an den Straßenrand setzen. Was war passiert ? Ganz einfach – mir kam jemand auf einen 08/15 Stadtrad entgegen, welcher nur ein paar Meilen hinter mir war. Ich wußte vom Streckenprofil her, dass die letzten knapp 20 Meilen nur noch bergab gehen und ich somit nur noch knapp 10 Meilen zurücklegen muß, bis ich zum Gipfel von “Yellow Lake” gelange. Damit dies aber nicht zu langweilig wurde und da auch jeder Schmerz noch steigerungsfähig war (mit der Zeit konnte man sich mit den Knieschmerzen fast schon abfinden und durch gelegentliches massieren das Anschwellen in Grenzen halten), begann ab Meile 85 ein höllischer Schmerz in meinem linken Fuß, welcher bei jeden Tritt zu spüren war und auch bis zum Ende der Radstrecke nicht mehr aufgehört hat. Mir taten sowohl der Fußballen als auch der große Fußzeh weh, so dass es wenigstens egal war, ob ich mich gerade in der Zug- oder Druckphase beim Strampeln befand (“wenn schon, denn schon” hab ich mir gedacht). Ich hab mir schon ausgemalt, dass mich ein wunderschönes bluttriefendes “Fußmassaker” auf mich wartet, sobald ich endlich meine Socken in der Wechselzone wechseln und eine sehr schöne “Dreiecks-Foto-Love-Story” von Fuß, weißer Socke und Schuh aufnehmen kann.

Während der Radstrecke hab ich mich häufig gefragt, wieso es eigentlich keine Salzbonbons gibt ? Ich hab nämlich immer meine Salztabletten gelutscht, da mir diese viel besser gemundet haben als die 2 Squeezy Gels und dem einen Powergel (alles Geschmacksrichtung Vanilla), und immer, wenn ich dabei getrunken hab, sind diese leider sofort in sich zusammengefallen. Bis zu diesem Zeitpunkt hätte ich wohl immer noch eine Radzeit von ca. 6:30 geschafft, aber man soll ja den Tag nicht vor dem Abend loben. Als nämlich der Anstieg begann, mußte ich ziemlich bald vom Rad absteigen, da mir von einer Sekunde zur nächsten der komplette Schweiß, welcher sich im Helm gesammelt hatte, in meine Augen geflossen ist und ich nichts mehr sehen konnte. Zuerst bin ich bestimmt sehr schön anzusehende Schlangenlinien gefahren, bevor ich mich kurz vorm Umfallen gerade noch ausklinken und stehen bleiben konnte. Da ich natürlich keinen Luxusartikel wie z.B. ein Taschentuch dabei hatte, mußte ich mir schnell was einfallen, wie ich den Schweiß aus den Augen raus bekomm – da die Hände auch ziemlich verschwitzt waren, wäre es nur so einfach nicht gegangen. Aber dank meines im Studium erworbenen Wissens fiel mir sofort eine nahezu perfekte Lösung ein, nämlich quasi eine Wasserwirkungskette. Ich nahm einen großen Schluck aus der Wasserflasche, von Mund aus ging das ganze (na ja gut, ich will ja ehrlich sein, einiges Wasser ging auch über mich und das Rad) Wasser in meine Hände und vor dort wurde es mit sehr viel Elan gegen meine Brille geworfen. Man kann sich nur schwer vorstellen, wie gut das getan hat und vor allem konnte ich danach auch endlich wieder was sehen :-).

Den Rest des Anstiegs wurde man durch viel Hupen der dort stehenden Autos (da eine Fahrbahn gesperrt war und somit die Autos aus einer Richtung immer warten mußten, hatte man somit wenigstens ein wenig Stimmung beim Anstieg) zum Gipfel begleitet. Am Anstieg stand auch eine Frau mit einem großen Plakat mit der Aufschrift “Smile if you peed on the bike” – ich hab dann mein ganzes schauspielerisches Geschick aufgebracht und eine ziemlich unglücklich aussehende Grimasse geschnitten – so hatte sie wenigstens was zum Lachen. Wenig später war dann endlich der Gipfel erreicht und ich war ziemlich glücklich, da es ja eigentlich nur noch abwärts geht. Ich hatte aber vergessen, daß man ab diesem Punkt eigentlich immer mit viel Gegenwind rechnen muß. So mußte ich dann zum Teil nun doch auf Abfahrten in die Pedale treten, da man sonst nicht wirklich vorwärts gekommen wäre. Zum Teil ging es aber dennoch ordentlich schnell zur Sache und der Wind hat dann schon dafür gesorgt, dass die Abfahrten nicht zu entspannend werden.

Leider hatte das Streckenprofil, welches ich von der Radstrecke hatte, nicht alles verraten. So ging es durchaus noch mal einige Meter hoch und dann wieder runter, auch wenn es nie wirklich steil war. Aber die kleinen Anstiege haben mir dann sprichwörtlich das Genick gebrochen und ich bin total eingegangen. Hier nochmals ein dickes Danke an Startnummer #89, die mir beim ständigen Überholen und Zurücküberholen immer aufmunternde Worte zugerufen hat. Leider hatte ich auf den letzten 7 Meilen, als die Strecke wieder durch Penticton führte, mein persönliches Waterloo und kam mir vor, als ob ich auf der Stelle trete. Ich war einfach am Ende meiner Kräfte und konnte nicht mehr. Ich hab schon überlegt, ob ich vielleicht Absteigen und Schieben sollte, da ich so bestimmt schneller gewesen wäre. Richtig hart waren dann die letzten 3,5 Meilen, da man dort neben der Laufstrecke herfahren mußte. Dabei dachte ich mir immer: “Hoffentlich erkennt mich niemand” und “Zum Glück ist es gleich vorbei.” Wegen diesem Einbruch kam dann auch eine Zeit heraus, welche ich mir nicht einmal in meinem schlimmsten Alptraum ausgemalt hatte. Aber ich war ja selbst schuld – hätte ja auch vernünftig trainieren können.

Ironman Canada 2003 093

Kurz vor dem Einfahren in die Wechselzone hab ich dann meine Schuhe geöffnet und bin mit den Socken auf den Schuhen gerollt, bevor ich bei den bereitstehenden Helfern abgestiegen bin und denen mein Rad in die Hand gedrückt habe. Nach knapp 10m ging es über die Zeitmessmatte und ich hatte offiziell die zweite Disziplin “erfolgreich” beendet.

7:30:38 (Schnitt 14,9 Meilen/Stunde) – Platz 21/21 AK – Platz 1801 Gesamt – Durchschnittspuls 154

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